Ein ganzheitlicher Schutzschirm für Startups – Der Vier-Stufen-Plan des Bundesverbands Deutsche Startups e.V.

Die Corona-Krise stellt die deutsche Wirtschaft aktuell vor eine immense und in ihren Folgen noch nicht absehbare Herausforderung.

Startups sind dabei besonders gefährdet, da die für sie überlebenswichtige Kapitalzufuhr durch Bestandsgesellschafter und Neuinvestoren aufgrund erhöhter Risikoaversion in allen Bereichen höchst unsicher wird und daher kurzfristig massive Liquiditätsengpässe zu befürchten sind. Von der Corona-Krise profitierende Startups – wie bspw. Digital Health Startups – bilden dabei lediglich die Ausnahme, die die Regel bestätigen.

Bei den zum Schutz der deutschen Wirtschaft bisher angekündigten Fördermaßnahmen der Bundes- und Länderregierungen fällt auf, dass diese häufig an der Situation von Startups vorbeigehen, da insbesondere junge Startups (noch) keine kreditgebende Hausbank haben und auch die gewöhnlichen Kriterien für eine Kreditvergabe nicht erfüllen. Infolgedessen sind die Startups von einer Vielzahl der avisierten Fördermaßnahmen wie bspw. KfW-Krediten ausgeschlossen.

Vor diesem Hintergrund hat der Bundesverband Deutsche Startups e.V. am 20. März 2020 einen Vier-Stufen-Plan als ganzheitlichen Schutzschirm für Startups jeglichen Entwicklungsstadiums vorgestellt, dessen Kernaussagen sich wie folgt zusammenfassen lassen (den vollständigen Wortlaut des Vier-Stufen-Plans können Sie HIER abrufen):

Stufe 1: Maßnahmen für Startups in früher Phase bzw. ohne Wagniskapitalgeber

  • Unbürokratische Gewährung staatlicher (zinsgünstiger) Darlehen ohne die Zwischenschaltung von Hausbanken
  • Verschlankung des Vergabeprozesses insb. durch Beschränkung der Antragsprüfung auf sofort verfügbare Bonitätsinformationen
  • Ausbau und Verlängerung bestehender staatlicher Förderprogramme

Stufe 2: Maßnahmen für Startups mit Wagniskapitalgeber

  • "Matching-Fonds" als neues staatliches Fördermittel
  • Funktionsweise: Sofern sich Bestandsgesellschafter für ein weiteres Investment in das Startup entscheiden, begleitet der Matching-Fonds das Investment der Bestandsgesellschafter in einem vorher festgelegten Verhältnis (z.B. Verhältnis 1:4)
  • Beispiel:
    • Investment Bestandsgesellschafter: EUR 200.000
    • Investment Matching-Fonds: EUR 800.000
    • Gesamtinvestment: EUR 1.000.000

Stufe 3: Maßnahmen für Scale-ups

  • Scale-ups sind Startups mit einigen hundert Mitarbeiter*innen
  • Venture Debt (d.h. Darlehen zu marktüblichen Konditionen) als geeignetes Instrument, da Scale-ups oftmals kurz vor Erreichung des Break-Even-Points stehen und/oder einen Exit anstreben werden
  • Venture Debt könnte zusätzlich über Zinsstundungen flankiert werden

Stufe 4: Maßnahmen für einen Secondary Market bei ausfallenden Investoren

  • Gefahr, dass Investoren in VC-Fonds aufgrund eigener Liquiditätsengpässe die Kapitalzusagen für den Fonds nicht leisten können und sich dies nach unten in die einzelnen Startups auswirkt
  • Staatliche Institutionen wie die KfW könnten die Fonds-Anteile der betreffenden Investoren erwerben und so die Auswirkungen bei den einzelnen Startups abfedern
  • Zusatzeffekt: Risikostreuung der öffentlichen Hand

Es wird sich zeigen, ob bzw. welche Elemente des vorgeschlagenen Vier-Stufen-Plans von Bundestag und Bundesrat verabschiedet werden und in welchen Punkten eine weitere Abstimmung der deutschen Startup-Branche mit den Bundes- und den Landesregierungen notwendig ist.

>>>> Bundesverband Deutsche Startups e.V.: Ein ganzheitlicher Schutzschirm für Startups – Liquiditätsengpässe verhindern, Zukunftsperspektiven erhalten


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