Die Blockchain beim Zoll: Smarte Logistik mit Kehrseite

Seit Jahresbeginn wickelt Saudi-Arabien gemeinsam mit dem Joint Venture TradeLens Zollangelegenheiten mit Hilfe der Blockchain ab. Denn die Technologie bietet erhebliche Vorteile, wenn eine große Zahl Daten vielen Beteiligten zugänglich gemacht und umständliche wie auch teure Papierdokumentation vermieden werden sollen. Ein Königsweg raus aus dem oft intransparenten und unsicheren Dokumentenwust in der Logistik?

Dr. Tobias Faber, Partner, und Johannes Groß, Associate, bei Hogan Lovells in Frankfurt wissen: Es gibt auch eine Kehrseite.


Herr Dr. Faber, Herr Groß, warum setzt Saudi-Arabien bei seinem Zoll auf die Blockchain?

"In der internationalen Transportwirtschaft wird eine Vielzahl an Dokumenten zum Transport und Handel von Waren benötigt. So können beispielsweise im internationalen Seeverkehr ohne weiteres mehrere hundert Dokumente notwendig werden, um ein Produkt von Asien nach Europa zu transportieren. Diese Dokumente müssen teilweise zusammen mit der Ware transportiert und immer zum richtigen Zeitpunkt bei der richtigen Person und/oder in der richtigen Behörde vorgelegt werden. Dadurch entfallen etwa 20 Prozent der tatsächlichen physischen Transportkosten auf die Ausfertigung und Bereitstellung der Transportdokumente. Die Blockchain-Technologie kann hier einen möglichen Ausweg bieten."

Wie genau?

"Transportdokumente werden auf der Blockchain verfälschungssicher hinterlegt. Der Exporteur, der Importeur, der Frachtunternehmer, die Transportunternehmer für An- und Abtransport aus dem Hafen und die beteiligten Behörden erhalten Zugriff auf diese Blockchain und können die hinterlegten Dokumente prüfen und freigeben. Auf diese Weise vereinfacht sich nicht nur die Bearbeitung und der Austausch der Dokumente in Echtzeit, sondern es wird darüber hinaus die Transparenz erhöht. Es ist jederzeit ersichtlich, wie der Bearbeitungsstand ist und wo sich die Ware befindet. Dies erhöht die Planungssicherheit innerhalb der Supply Chain."

Das klingt nach einem gewaltigen Fortschritt…

"Es gibt leider auch eine Kehrseite: Problematisch wird es dann, wenn die einmal aufgenommenen Transaktionen rückabgewickelt werden müssen, beispielsweise weil ein Mangel an der Ware festgestellt wird, eine auflösende Bedingung beim zugrundeliegenden Vertrag eingetreten oder eine der Parteien insolvent geworden ist. Außerdem lassen sich rechtliche und tatsächliche vertragliche Bedingungen nur schwer abbilden."

Ist die Technologie überhaupt schon ausgereift? 

"Eine Hürde besteht darin, verschiedene "Blockchain" miteinander zu verbinden oder die darauf befindlichen Token an Personen zu übertragen, die nicht User der jeweiligen Blockchain sind. Soweit nicht alle am Transport beteiligten Akteure auf einer gemeinsamen Blockchain aktiv sind, müssen also Schnittstellenproblematiken gelöst werden. Dies ist derzeit nur möglich, indem die Ware "offline" übertragen und dann neu in die gewünschte Blockchain integriert wird. Soweit Behörden nicht an diesem Verfahren teilnehmen, müssen die Papiere auch weiterhin physisch vorgehalten und bereitgestellt werden."

Und von rechtlicher Seite her ist vermutlich auch noch nicht alles geklärt?

"In Deutschland gibt es regulatorische Bedenken. Zwar  wurden im deutschen Handelsgesetzbuch bereits Normen geschaffen, die digitale Schriftstücke einem Dokument in Papierform gleichstellen. Das kann der Verwendung der Blockchain-Technologie den Weg bereiten. Aber genau wegen solcher und vergleichbarer Hürden bleibt abzuwarten, ob sich weitere Zollbehörden dem saudischen Beispiel anschließen und sich die Blockchain dauerhaft im internationalen Transportwesen etabliert."

Lesen Sie dazu mehr im Hogan Lovells Unternehmensblog: 

>>>>Blockchain-Technologie & Supply Chain: A Winning Team?


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