Unternehmenskäufe und Börsengänge

Der Hogan-Lovells-Ausblick auf 2019

Dr. Volker Geyrhalter, Leiter der Praxisgruppe Corporate in Europa und Partner bei Hogan Lovells in München, zum M&A-Jahr 2019 in Deutschland:

1. Mit welchen Erwartungen gehen Sie ins Jahr 2019? Werden wir 2019 mehr grenzüberschreitende Transaktionen sehen? Dieses Jahr erleben wir in Deutschland eine Vielzahl an Large Cap Transaktionen, wird dieser Trend nächstes Jahr bestehen bleiben?  

Die Voraussetzungen für einen guten Start in das M&A-Jahr 2019 sind gegeben. Deutschland steht dank eines stabilen politischen Umfelds und einer wachsenden Wirtschaft auf gesunden Beinen. Es besteht auch großes Interesse von ausländischen Investoren, insbesondere aus den USA, in den deutschen Markt verstärkt zu investieren. Wir erwarten im kommenden Jahr insbesondere im Mid-Cap-Bereich einen robusten Dealflow. Ob wir auch inländische Megadeals deutscher Unternehmen - wie in 2018 - sehen werden, bleibt abzuwarten. Ein besonderes Augenmerk wird auf den erhöhten regulatorisches Rahmenbedingungen liegen, die ausländischen Käufern die Übernahme deutscher Unternehmen schwerer machen wird. Es ist nämlich zu erwarten, dass die deutsche Regierung 2019 verstärkt Transaktionen mit internationalen Käufern prüfen wird und in besonders kritischen Fällen gegebenenfalls auch untersagt.

2. Welche Auswirkungen wird der Brexit auf Deal-Flows in Deutschland haben? Wird man den Brexit-Effekt am deutschen M&A-Markt spüren?

Deutschland wird aus M&A-Sicht als Gewinner des Brexits dastehen. Der Brexit wird den Dealflow von Fusionen und Übernahmen in Deutschland positiv beeinflussen. Wir erwarten, dass internationale Investoren, die in der Vergangenheit London als Zugang zum europäischen Markt gesehen haben, vermehrt den Blick auf Deutschland richten werden.  

3. Das Wachstum der Eurozone-Wirtschaft hat sich im November weiter abgeschwächt. Was bedeutet das für die Bewertungen von Unternehmen, die gegenwärtig M&A zum Verkauf stehen?

Der deutsche M&A-Markt ist momentan aufgrund einer sehr hohen Nachfrage von strategischen Investoren und Finanzinvestoren ein Verkäufermarkt, in dem Verkäufer von sehr hohen Bewertungen profitieren und die Bedingungen den Käufern diktieren. Bei einer weiteren Abschwächung der europäischen Wirtschaft könnte es zu einer Bewertungsanpassung der Unternehmen kommen. Dies könnte dazu führen, dass Transaktionsprozesse verschoben werden, bis es zum nächsten Aufschwung kommt. Eine Bewertungskorrektur würde dem überhitzen Transaktionsmarkt sicher gut tun, um wieder etwas Normalität in den Markt zu bringen.

Prof. Dr. Michael Schlitt, Partner und Leiter Corporate Capital Markets and Securities in Europa bei Hogan Lovells in Frankfurt, zu den Erwartungen für den Markt für Börsengänge 2019:

1. Mit welchen Erwartungen gehen Sie ins Jahr 2019? Sind Sie positiv gestimmt, dass 2019 ein gutes IPO-Jahr werden kann?

Wir erwarten im deutschen Midcap-Bereich für die erste Jahreshälfte 2019 eine gesunde Pipeline an Neuemissionen. So werden einige Unternehmen, die in der zweiten Jahreshälfte 2018 wegen der Korrektur am Aktienmarkt sowie politscher Entwicklungen ihren geplanten Börsengang auf Eis gelegt hatten, voraussichtlich im neuen Jahr einen neuen Versuch wagen. Auch scheint sich der Trend von Carve-Outs und Spin-offs aus Unternehmenskonglomeraten, die den Schritt auf das Börsenparkett wagen, im neuen Jahr fortzusetze. Damit könnte 2019 ein richtig gutes Jahr werden, durchaus mit einer größeren Anzahl an interessanten Large-Cap-Transaktionen.

2. Sollten sich Börsen-Kandidaten wegen des volatilen Kapitalmarkts Sorgen machen?

Natürlich orientieren sich Investoren, gerade bei IPOs, sehr eng an den Geschehnissen an den Finanzmärkten, und die sind wegen politischer Entwicklungen zuletzt unruhiger gewesen. Trotzdem haben wir auch in letzten Jahren immer wieder gesehen, dass Unternehmen,  die eine überzeugende Equity-Story bieten, attraktiv für Investoren sind und damit erfolgreich an den Markt gehen konnten.

3. Die deutsch-chinesische Handelsplattform Ceinex kommt langsam in die Gänge. Was heißt das für den deutschen Kapitalmarkt?

Generell ist diese Initiative der Deutschen Börse zu begrüßen, denn solche Kooperationen machen den deutschen Kapitalmarkt für ausländische Unternehmen noch attraktiver. Die erste Emission von D-Shares war ein erfolgsversprechender Start. Jetzt müssen weitere Emissionen folgen, damit sich die Plattform etablieren kann.  

Dr. Matthias Jaletzke, einer der führenden deutschen Private Equity- und M&A-Anwälte sowie Partner bei Hogan Lovells in Frankfurt, zu Trends und Aussichten für den PE-Markt 2019:

1. Was ist Ihre Prognose für das Jahr 2019? Stehen wir vor Veränderungen im Markt?  

Ich erwarte in absehbarer Zukunft keine großen Veränderung im deutschen Private-Equity-Markt.  2019 wird ein weiteres Jahr mit hartem Wettbewerb um eine begrenzte Zahl von begehrten Assets sein. Dreh- und Angelpunkt wird sein, ob wir eine weitere große Finanzkrise erleben. Falls ja, könnte es dazu kommen, dass Banken notwendige Kredite nicht zur Verfügung stellen können. Ich glaube nicht, dass der Brexit einen signifikanten Einfluss auf den deutschen Markt haben wird, der vor allem von Midcap-Transaktionen geprägt ist. 

2. Schauen wir auf 2018: Private Equity scheint sich von der deutschen Autoindustrie abzuwenden. Es heißt, dass die Zahl der Buy-Outs in der Autoindustrie einen historischen Tiefstand erreicht haben. Die Bau- und Finanzdienstleistungsbranche haben ebenfalls 2018 erheblich an Attraktivität eingebüßt. Wieso wenden sich Investoren von diesen einst begehrten Branchen ab? Sehen Sie da einen Trend? 

Traditionell starke Sektoren wie die Auto- oder die Fertigungsindustrie haben kein gutes Jahr erlebt, weil Private-Equity-Fonds dort nur schwer mehrjährige Wachstumsaussichten mit einigermaßen schnellem Exit-Potenzial erkennen können. Einige dieser eher traditionellen Sektoren reagieren volatiler auf das geopolitische Umfeld wie zum Beispiel die Iran-Sanktionen oder US-Protektionismus, weshalb Private Equity bestimmte Investitionen eher zurückhaltender angeht.

3. Was zeichnet die Technologie und Gesundheitsbranche aus? Was macht diese Bereiche so attraktiv für Private Equity Investoren?  

Der Technologiesektor ist das Rückgrat der modernen Welt und wegen des enormen Wachstumspotenzials für Private-Equity-Investoren ein sehr attraktiver Bereich. Viele PE-Fonds wollen die Wachstumschancen in der Gesundheitsbranche nutzen, die sich aus der sich wandelnden Demografie mit höherer Lebenserwartung der Bevölkerung ergeben. Beispielsweise sind Alters- und Pflegeheime für Private-Equity-Investoren über viele Jahre hinweg solide Wachstums- und Erlösquellen.


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