Fabienne Ruopp


Diversity & Inclusion and Wellbeing Senior Manager EMEA
Düsseldorf

"Diversity & Inclusion sind für mich ein Herzensthema" sagt Fabienne Ruopp, unsere Diversity & Inclusion and Wellbeing Senior Managerin für die Region EMEA (Europe, Middle East, Africa).

Im Interview erzählt sie, wie wichtig Diversity heutzutage ist und wie jede*r Einzelne von uns zu einem diversen Arbeitsumfeld beitragen kann.

Was versteht man unter Diversity?

Fabienne Ruopp: Diversity bedeutet Vielfalt. Eine Vielfalt von Menschen, wie sie in jeder Gesellschaft oder in jedem Unternehmen vorkommt. Diversity basiert auf sechs Dimensionen – sexuelle Orientierung, Geschlecht, ethnische Herkunft, Alter, Behinderung und soziale Herkunft. Man kann auch sagen, Diversity ist der Begriff, der die Vielfältigkeit unserer Gesellschaft zusammenfasst.

Spricht man von Diversity Management ist damit der Umgang mit dieser vorhandenen Vielfalt, die alle Dimensionen gleichermaßen einbindet, gemeint. Also ein ganzheitlicher Ansatz.

Dies wird dann meist als "Diversity & Inclusion" bezeichnet. Nicht zu verwechseln mit dem deutschen Begriff der "Inklusion", der sich vor allem mit dem Aspekt der körperlichen und geistigen Behinderung auseinandersetzt.

Wieso ist Diversity gerade heutzutage ein so wichtiges und relevantes Thema?

Fabienne Ruopp: Die Anforderungen an die Wirtschaft sind heutzutage vielfältig: Global agierende Unternehmen haben einen großen Bedarf an Fachkräften und beschäftigen vielfältige Mitarbeitende – gleichzeitig gilt es, gesellschaftspolitische Herausforderungen gekonnt zu meistern und gleichzeitig persönliche Bedürfnisse zu berücksichtigen. Wir wissen aus zahlreichen Studien: Unternehmen mit diversen Teams sind leistungsorientierter, handeln flexibler und kreativer am Markt und gehen besser auf die Lebenswirklichkeiten ihrer Mitarbeitenden ein.

Die erfolgreiche Zusammenarbeit von Männern und Frauen, Menschen mit und ohne Migrationshintergrund, Beschäftigten unterschiedlicher Nationalitäten, kultureller Prägungen und sexueller Orientierungen sowie Menschen mit Behinderungen unterstützt die Zielerreichung von Unternehmen. Eine bewusste und gleichberechtigte Zusammensetzung der Mitarbeitenden in Unternehmen ist der Grundstein für eine zukunftsgerichtete Unternehmensführung. Das bedeutet auch, dass sich niemand verstellen muss.

Leider ist das aber noch nicht in allen Unternehmen selbstverständlich, denn beispielsweise jede*r dritte Homosexuelle in Deutschland erlebt Diskriminierung am Arbeitsplatz.

In unserer Kanzlei stellen wir uns dem klar entgegen, schaffen ein wertschätzendes, vorurteilsfreies Umfeld und sensibilisieren für mehr Offenheit gegenüber sexueller Identität und allen weiteren Dimensionen von Diversity.

Wir bei Hogan Lovells wollen eine Unternehmenskultur der Offenheit, Wertschätzung und Toleranz schaffen und fördern. Also ein Klima erreichen, in dem jede*r Einzelne, egal auf welcher Position und mit welchem Hintergrund, sich nicht verstellen muss – und sich angstfrei einbringen und entfalten kann.

Homogene Teams in Unternehmen spiegeln nicht die Ideen und Wünsche der Kunden und Mandanten wider und bringen nachweißlich weniger Innovationskraft mit. Menschen, die sich in ihrer Arbeitsumgebung wohl fühlen haben auch eine bessere Performance. Unternehmen, die sich durch Vielfalt und Offenheit kennzeichnen, sind bevorzugte Geschäftspartner und attraktive Arbeitgeber. Die besten Talente fühlen sich angesprochen und motiviert. Also alles gute Gründe, warum sich ein Unternehmen mit Diversity Management auseinandersetzen sollte – eine Win-Win Situation für alle Beteiligten.

Diversity ist daher auch eine der fünf strategischen Prioritäten von Hogan Lovells, worauf ich wirklich sehr stolz bin.

Woher stammt Dein persönliches Interesse an dem Bereich Diversity?

Fabienne Ruopp: Diversity & Inclusion ist für mich ein Herzensthema. Es ist ein Thema, das einen Mehrwert sowohl für den einzelnen Menschen, als auch für die Kanzlei beziehungsweise für das Unternehmen schafft. Gesamtgesellschaftlich haben wir allerdings noch einen weiten Weg zu gehen. Es ist daher besonders schön, dass wir als Kanzlei und ich in meiner Funktion einen Beitrag für mehr gleichberechtigte Teilhabe leisten können.

Viele denken bei dem Thema Diversity vor allem an mehr Frauen in Führungspositionen, aber der Gedanke ist nicht ganz richtig, oder?

Fabienne Ruopp: In der Tat! Mittlerweile ist das Verständnis von Diversity umfassender geworden und nicht nur auf die Förderung von Frauen beschränkt. Obwohl dies natürlich, neben LGBTQ+, also der sexuellen Orientierung, ein Fokusthema von uns ist und wir dort auch noch ein großes Betätigungsfeld haben – wie fast alle Unternehmen in Deutschland.

Unser Ziel ist es, eine vorurteilsfreie Kultur zu schaffen, in der es keine Rolle spielt, ob es sich um eine Frau oder eine Person mit einer anderen sexuellen Orientierung oder Ethnie handelt. So einfach und doch so schwer.

Der Schlüssel dazu ist, sich unbewusste Vorurteile oder Fehlannahmen bewusst zu machen, also sich des Unconscious bias bewusst zu sein. Unterbewusste Vorurteile führen nämlich leider dazu, dass bestimmte Meinungen nicht gehört werden, bestimmte Personen nicht in Führungspositionen aufsteigen, sich Menschen ausgeschlossen fühlen oder faktisch ausgeschlossen werden.

Um diesem entgegenzuwirken haben wir bei Hogan Lovells eine Vielzahl von Maßnahmen für alle eingerichtet, zum Beispiel globale Unconscious bias trainings. Wir schauen uns unsere Talent Pipeline an, mit speziellem Fokus auf unterrepräsentierte Personen, und bieten regelmäßige Dialoge über die persönliche und berufliche Entwicklung bei Hogan Lovells an; unabhängig vom Geschlecht, sexueller Orientierung oder anderer Diversity Dimensionen.

Die praktischen Hürden wie etwa der Vereinbarkeit von Karriere und Familie versuchen wir für Männer und Frauen zu verringern, indem wir verschiedene Arbeitszeitmodelle  sowie Unterstützungsmöglichkeiten bei der Kinderbetreuung anbieten. Agile Working, also mobiles Arbeiten, ist bei uns nicht erst seit Corona-Zeiten eine Selbstverständlichkeit.

Wie schon gesagt, Diversity ist eines der fünf Top-Themen der Kanzlei-Strategie. Dies wird auch daran deutlich, dass Diversity & Inclusion eine separate Funktion innehat und wir direkt an den CEO berichten. Das zeigt, die Kanzlei meint es wirklich ernst mit dem Thema.

Wie kann jede*r Einzelne von uns zu einem diverseren Arbeitsumfeld beitragen?

Fabienne Ruopp: Jede*r Einzelne von uns kann sich aktiv beim Thema Vielfalt und Wertschätzung engagieren – dazu braucht es nicht zwangsläufig aufwändige Programme oder eine Policy, denn es geht hier in erster Linie um Wertschätzung und Teilhabe.

Jeder Mensch im Unternehmen hat die Möglichkeit, sich vorbildhaft zu verhalten, durch gute Beispiele in Gedanken und Taten voranzugehen und Interesse für andere Menschen zu zeigen. Es ist wichtig, sich der eigenen, unbewussten, Vorurteile und Privilegien bewusst zu werden. Das ist sicherlich nicht immer einfach und manchmal bedarf es auch etwas Mut und Selbstbewusstsein. Aber niemand ist alleine: Die Kolleg*innen aus dem Diversity Management unterstützen jeden bei allen Fragen oder Unsicherheiten.

Vielen Dank für das Interview!